Eine große Ehre

Nachdem ich mir nun auf Ailas Drängen MSN angeschafft hatte, da ja „die Smilies so süß sind“, habe ich dann auch gleich mal angefangen, mir meine „alten Bekannten“ und Freunde auf meine Kontakteliste zu holen. Diesem Umstand verdanke ich, dass es gestern zu folgendem Online-Dialog zwischen Annika, die ihren Olli am 5. Juni heiraten wird, und mir kam:

Annika: „wir hatten heute das zweite Traugespräch mit Irene“
Thorsten: „uih“
Annika: „jetzt steht der Ablauf“
Thorsten: „ah… ;)“
Annika: „und wir haben eine große Frage an dich“
Thorsten: „ja???“
Annika: „hättest du Lust dich aktiv am Gottesdienst zu beteiligen?“
Thorsten: „was? ernsthaft?“
Annika: „ja“
Thorsten: „fühle mich geehrt! natürlich!“
Annika: „schön! da wäre ein text und eine lesung von der wir gerne hätten, dass du sie hältst!“
Thorsten: „na immer doch 🙂 oh wie geil… welch ehre“
Annika: „lesung: 1.Korinter 13, 1-8 und 13“
Thorsten: „geil!!!“
Annika: „und der Text wäre nen Gedicht von Erich Fried >Dich<„

Ist das nicht super?!? Wow ich freu mich noch immer total! Und damit ihr mal wisst um welche Texte es geht, erspare ich sie Euch natürlich nicht!

Dich
dich sein lassen
ganz dich

Sehen
dass du nur du bist
wenn du alles bist
was du bist
das Zarte
und das Wilde
das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will

Wer nur die Hälfte liebt
der liebt dich nicht halb
sondern gar nicht
der will dich zurechtschneiden
amputieren
verstümmeln

Dich dich sein lassen
ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt nicht darauf an mit wieviel
Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem –
nach allem
was du ist

Nach der Wärme
und nach der Kälte
nach der Güte
und nach dem Starrsinn
nach deinem Willen
und Unwillen

nach jeder deiner Gebärden
nach deiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit
Stetigkeit

Dann
ist dieses
dich dich sein lassen
vielleicht
gar nicht so schwer

Erich Fried

Und dann noch das „Hohelied der Liebe“ aus dem 1. Korintherbrief:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle.
Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.
Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.
Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.
Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden und die Sprachen aufhören werden und die Erkenntnis aufhören wird.

Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.




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