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Thementag Ostern

Viele österliche Begriffe benutzen wir heutzutage ganz selbstverständlich, ohne uns jedoch die Mühe zu machen, den Sinn der Worte oder der Feiertage tatsächlich zu hinterfragen. Warum bitte heißt der Donnerstag vor Ostern nun Gründonnerstag und warum der Tag danach Karfreitag? Reicht es nicht zu wissen, dass zumindest der Karfreitag ein Feiertag (=freier Tag) ist?

Wer diese Frage mit einem „Ja“ beantwortet, der braucht nicht weiterlesen. Für alle anderen will ich mal zusammentragen, was man im Zusammenhang mit Ostern grundlegend wissen sollte.

Fastenzeit

Die Osterzeit beginnt mit der Fastenzeit (oder auch Passionszeit), welche immer die 40 Tage vor Ostern umfasst. Zurück geht die Fastenzeit auf das Fasten Jesu Christi in der Wüste vor Beginn seines öffentlichen Wirkens nach Matthäus 4,2 zurück. In der christlichen Kirche gibt es zwei Fastenzeiten im Jahr: einmal die Adventszeit vor Weihnachten/der Geburt Christi und einmal die Passionszeit vor Ostern.

Die Passionszeit beginnt also immer am Aschermittwoch. In den letzten Jahrzehnten hat sich auch in der Evangelischen Kirche wieder eine Fastentradition etabliert. Die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) startet daher auch jedes Jahr auf´s Neue die Aktion „7 Wochen ohne„, an der jedes Jahr rund 2 Millionen Menschen in Deutschland teilnehmen.

Nähere theologische Hintergründe findet ihr in meinem Beitrag: Fastenzeit.

Genau genommen endet die Fastenzeit (die VORösterliche Bußzeit) am Gründonnerstag (und nun je nach Tradition/Konfession:) oder am Karfreitag. Dem schließt sich ab Karfreitag 15 Uhr jedoch ein sogenanntes Osterfasten an, welches aber nichts mit der Fastenzeit zu tun hat. Dieses österliche Fasten ist sowohl von Katholiken als auch Lutheranern als striktes Fasten zu verstehen und endet erst nach der Osternacht.

Heilige Woche / Karwoche

Als „Heilige Woche“ bezeichnet man die Tage zwischen dem Palmsonntag (letztes Sonntag vor Ostern), an dem Jesus Christus in Jerusalem einzog, und dem Ostersonntag. Diese Woche nennt man üblicherweise auch die Karwoche.

Bedeutung der Vorsilbe „Kar-„

Der Begriff Karwoche oder Karfreitag oder auch Karsamstag leitet sich folgendermaßen ab: Das Präfix Kar- ist althochdeutsch (ursprünglich: kara) und bedeutet „Klage, Kummer, Trauer“.

Gründonnerstag

Der Gründonnerstag ist natürlich ein Teil der Karwoche. Theologisch gesehen ist der Gründonnerstag der Tag, an dem Jesus Christus das Heilige Abendmahl einsetze, von Judas verraten und vom Hohen Rat verhaftet wurde.

Mit der Vesper am Abend des Gründonnerstages beginnt das sogenannte Triduum Sacrum, wörtlich: Heilige Drei-Tage-Zeit.

Zur Namensherkunft mache ich es mir leicht und zitiere den ausführlichen Wikipedia-Artikel hierzu:

Der vor dem 15. Jahrhundert – nach Kluge-Mitzka um 1200 im mitteldeutschen Raum – entstandene Name Gründonnerstag beschränkt sich im Prinzip auf das deutsche Sprachgebiet und ist auch dort nur die üblichste neben mehreren anderen Bezeichnungen. Die Fügung Grüner Donnerstag (mhd. grûne dunrestag oder grüene donerstac) ist bereits seit dem 13. Jh. belegt.[1][2][3] Der lateinische Terminus dies viridium (wörtlich „Tag der Grünen“ – gemeint sind die durch Absolution von den Sünden und Kirchenstrafen Befreiten, im Sinne von „Erneuerten, Frischen“ nach Lukas-Evangelium 23,31: „grünes Holz“) war möglicherweise nicht, wie von der Sprachwissenschaft lange angenommen, das Vorbild für diese deutsche Bezeichnung, sondern scheint erst im 17. Jh. entstanden zu sein.[4]

Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt, es konkurrieren besonders vier Thesen, die sich nicht notwendigerweise gegenseitig ausschließen müssen, da auch mehrere Faktoren bei der Entstehung des Namens zusammengewirkt haben können:

  1. Herleitung von virides („die Grünen“), den Büßern, die „dürres Holz“ gewesen waren und jetzt am antlastag, dem Tag des Kirchenbußerlasses, wieder (nach Lukas 23,31) lebendiges, „grünes Holz“ der Kirche wurden und wahrscheinlich in weißem Kleid vielleicht mit grünem Schultertuch zur Kommunion schritten.
  2. Herleitung aus der liturgischen Farbe Grün.[5] Der heutige Farbenkanon des Römischen Ritus sieht Weiß als liturgische Farbe für den Gründonnerstag vor, dieser Farbenkanon war jedoch vor dem 16. Jahrhundert nicht verbindlich und in den Eigenriten der Diözesen vielfach abweichend geregelt. Da aus dem Gebrauch der Farbe Weiß in der Gründonnerstagsliturgie auch die Bezeichnung „Weißer Donnerstag“ (ndl. Witte Donderdag, franz. jeudi blanc) entstanden ist, könnte ebenso aus regional abweichender Verwendung von Grün auch der Name Grüner Donnerstag, Gründonnerstag entstanden sein.
  3. Herleitung aus dem seit dem 14. Jahrhundert bezeugten, aber möglicherweise schon älteren Brauch, am Gründonnerstag besonders grünes Gemüse (Grünkohl, Salate, Nesseln, junge Triebe) und grüne Kräuter zu essen.[1][4][6] Dies steht nicht nur im Einklang mit den allgemeinen Fastenvorschriften für die Karwoche, sondern auch in Verbindung mit vorchristlichen Vorstellungen, dass dadurch die Kraft des Frühlings und eine Heilwirkung für das ganze Jahr aufgenommen werde. In einigen Regionen hatte der Gründonnerstag auch eine besondere Bedeutung für das Bestellen von Feld und Garten, als Tag der ersten Frühlingsaussaat oder als ein Tag, an dem man sich von der Aussaat oder vom Setzen oder Beschneiden der Pflanzen besonders reichen Ertrag versprach.[7]
  4. Herleitung aus dem „Greinen“ (ahd. grÄnan, mhd. grînen, „lachend, winselnd, weinend den Mund verziehen“) der Büßer am Gründonnerstag.[8] Aus mündlich gebrauchtem, aber schriftlich nicht bezeugtem grîn donerstac wäre in dem Fall durch volksetymologische Umdeutung Grüner Donnerstag > Gründonnerstag entstanden. Da jedoch dieser Tag seit dem 4. Jahrhundert ein kirchlicher Freudentag war, an dem die zuvor Exkommunizierten nach Buße und Vergebung endlich wieder zur Kommunion zugelassen, also wieder „grünendes Holz“ am Stamm der Kirche nach Lukas 23,31 waren, erscheint die Annahme eines Klagedonnerstags widersinnig.

Gängige lateinische Bezeichnungen des Gründonnerstags sind dies cenae domini („Tag des Abendmahls des Herrn“), dies absolutionis („Tag der Sündenvergebung“), dies indulgentiae („Ablasstag“), dies mandati („Tag der Fußwaschung“, daraus entstand die im Englischen geläufige Bezeichnung Maundy Thursday), dies azymorum („Tag der ungesäuerten Brote“) oder consecratio chrismatis („Chrisamweihe“, die in der römischen Liturgie an diesem Tag vollzogen wird); außerdem kann der Tag als quinta feria („fünfter Tag“) oder dies jovis („Donnerstag“) mit den Zusätzen magnus („groß“), sacer („heilig“) oder altus („hoch“) bezeichnet werden. In anderen Sprachen wird der Festtag meist „Heiliger Donnerstag“ (so in allen romanischen Sprachen und neben Maundy Thursday auch im Englischen geläufig) oder „Großer Donnerstag“ (so etwa im Polnischen Wielki Czwartek, im Kroatischen veliki Äetvrtak und im Ungarischen Nagycsütörtök) genannt. Im Tschechischen heißt der Tag nach deutschem Vorbild „Grüner Donnerstag“ (zelený Ätvrtek), im Niederländischen wie erwähnt „Weißer Donnerstag“ (Witte Donderdag), während im skandinavischen Raum mit Ausnahme des Finnischen, wo man vom „Donnerstag des Herrn“ (kiirastorstai) spricht, die Bezeichnung „Schnitterdonnerstag“ gebräuchlich ist (schwedisch Skärtorsdagen, dänisch Skærtorsdag), was schwedischen Quellen zufolge an die Fußwaschung erinnern soll, da „schneiden“ (schwed. skära) hier in der Bedeutung von „(be)reinigen“ zu verstehen sei. In manchen deutschsprachigen Regionen sehr gängig war früher auch der Name Antlaßtag („Tag der Entlassung aus den Sünden“, „Ablasstag“), der ähnlich wie der früher im Französischen gebräuchliche Name jeudi absolu aus der lateinischen Bezeichnung dies absolutionis bzw. dies indulgentiae herzuleiten ist.

Karfreitag

Der Karfreitag ist der Tag an dem Jesus Christus gekreuzigt wurde. Der Überlieferung nach starb er gegen 15 Uhr, weshalb landläufig auch nach 15 Uhr das Fastenbrechen vorgenommen wird. Das Sterben und die Kreuzigung war natürlich schon oftmals Vorlagen für diverse Verfilmungen. Die wohl bekannteste und sicherlich auch nicht unumstrittenste ist der Film von Mel Gibson „Die Passion Christi“ aus dem Jahr 2004, welche ich damals in einem Artikel reflektiert habe.

Der Karfreitag gehört zu den höchsten Feiertagen der christlichen Kirche.

Karsamstag

Irgendwie logisch… der Tag zwischen Karfreitag und dem Ostersonntag. 🙂

Ostersonntag!

Halleluja, der Herr ist auferstanden! – So oder so ähnlich tönt es an diesem Tag durch die Kirchen. Die Orgeln und Glocken, die nach dem Gloria der Messfeier an Gründonnerstag bis zum Gloria in der Osternacht geschwiegen haben, erheben sich zu einem lauten Lobgesang, das man einfach mal mitgemacht haben sollte! Übrigens: Das Gloria (außer an hohen Feiertagen) und das Halleluja entfallen in der gesamten Passionszeit. Ab dem 5. Sonntag der Fastenzeit („Passionssonntag“) werden Standbilder und Kreuze durch violette Tücher verhüllt und bei der Kreuzverehrung innerhalb der Karfreitagsliturgie feierlich enthüllt. Flügelaltäre sind die ganze Passionszeit über zugeklappt.

Zurück zum Ostersonntag: Der Überlieferung nach ist das leere Grab Jesu an diesem Tag „früh am Morgen, als eben die Sonne aufging“ (Mk 16,2) entdeckt worden. Daher ist die Morgenröte im Christentum ein Symbol der Auferstehung.

So ist vielleicht auch die Entstehung des Wortes „Ostern“ zu erklären. Die Etymologie/Namensherkunft sieht hier verschiedene Wurzeln:

  1. Das Herkunftswörterbuch von Duden leitet das Wort vom altgermanischen Austrō > Ausro für „Morgenröte“ ab, das eventuell ein germanisches Frühlingsfest bezeichnete und sich im Altenglischen zu Äostre, Äastre, im Althochdeutschen zu ôstarun fortbildete. Der Wortstamm ist mit altgriechisch Äōs „Sonne“ und lateinischaurora verwandt.
  2. Honorius Augustodunensis (12. Jh.) leitete Ostern von Osten (vgl. englisch easter und east) ab, der Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs. Viele neue Christen ließen sich damals „bei Sonnenaufgang“ am Ostermorgen – althochdeutsch zu den ostarun – taufen.
  3. Der Namensforscher Jürgen Udolph erklärt mit Bezugnahme auf Ostern als Tauftermin das Wort aus der nordgermanischen Wortfamilie ausa („gießen“) und austr („begießen“). So wurde ein vorchristlicher Wasserritus als vatni ausa („mit Wasser begießen“) bezeichnet; dann hätte die österliche Taufe die Begriffsbildung veranlasst.
  4. Eine andere Deutung geht von der lateinischen Bezeichnung hebdomada in albis („Weiße Woche“) für die Osteroktav aus. Da alba im französischen die Bedeutung „weiß“ verliert und die spezielle Bedeutung „Morgenlicht“ bzw. „Morgenröte“ annimmt, kann dies durch das entsprechende germanische Wort wiedergegeben worden sein.

Mit dem Ostersonntag beginnt die österliche Freudenzeit („Osterzeit“), die fünfzig Tage bis einschließlich Pfingsten dauert.

Thorstens Woche 51/2010

  • Und es schneit und schneit und schneit… #Schnee #Berlin #Spandau #
  • Wie komm ich wohl am schnellsten zur Arbeit? Laufen? Bus? Gibt’s schon Erfahrungswerte mit der #BVG heut morgen? @BMOnline @1046RTL #Schnee #
  • Der unverhofft freie Abend ist gerettet! In der ARD läuft heute mein Lieblingsweihnachtsfilm „Der kleine Lord“! Herrlich! 🙂 #fb #
  • Dafür oder Dagegen? Mal schauen, was die #CDU macht. http://t.co/41EtO1B #SPD #Spandau #
  • Überraschende Erkenntnisse heute…. #
  • entwickelt eine kreative Kampagnenidee, um die Bekanntheit des Weihnachtsmannes zu erhalten. #fb #
  • Großkampftag beendet, Computer aus, Feierabend = 1,5 Wochen Urlaub! Ich freu mich! #fb #
  • Wann beginnt für Euch Weihnachten? Für mich tatsächlich erst, wenn gegen 17 Uhr der Gottesdienst zu Ende ist. #fb #
  • So, Krawatte sitzt, Anzug auch, Geschenke sind eingepackt, jetzt kann’s losgehen! Auf zur Nikolai-Kirche #Spandau #
  • Frohe und gesegnete Weihnachten Euch allen! #
  • Die Hl. Nacht endet nach ner schönen Christmette mit einer herben Enttäuschung: die Gemeinde lässt das Heilige Abendmahl ausfallen. 🙁 #fb #
  • Bin total begeistert vom Weihnachts-Radioprogramm von #88 8. Nur Weihnachtslieder gestern und heute: toll! #
  • War heute mit @ToWoNo bei der Taufe der kleinen Anna. Taufen an Weihnachten sind einfach nur schön! #

Die Passion Christi

Da am heutigen Karfreitag „Die Passion Christi“ im Fernsehen zu sehen ist, möchte ich an dieser Stelle eine Filmkritik von mir aus dem Jahre 2004 hier veröffentlichen:

„Die Passion Christi“
Ein Film von Mel Gibson erregt die Gemüter

Was erwartet man, wenn man den Titel des Filmes „Die Passion Christi“ und den Namen des Regisseurs Mel Gibson hört? Was würde man generell erwarten, wenn all das plötzlich im Kino-Programm auftauchen würde?
Nun, einfach fällt diese Antwort wohl nicht. „Eine Darstellung der biblischen Tatsachen“ oder „ein Heldenepos auf Jesus Christus“ werden einige vermuten. Doch nur ersteres von beiden trifft auch nur annähernd auf den neuen Filme vom Mel Gibson „Die Passion Christi“ zu!

Erbitterte Heulkrämpfe, verstörte und eingeschüchterte Kinobesucher, Schockzustände – das ist die Realität, welche dieser Film bei den Besuchern des Filmes auslöst!

Man hatte im Vorfeld viel über diesen Film gehört, doch ich wollte und musste mir meine eigene Meinung zu diesem Thema bilden. Deshalb habe ich die Samstagabend-Vorstellung im Kinocenter Spandau besucht. Ich fand einen gut gefüllten Saal mit den wohl unterschiedlichsten Besucherschichten aller Alterskategorien vor. Da waren die Großeltern mit den Enkeln, die ganze Familie oder die sensationsgeilen Hiphop-Jugendlichen, die wahrscheinlich vom Ruf des „blutreichen Films“ angelockt wurden.

Der Film beginnt mit einem Bibelzitat aus dem Jesaja-Brief (Jesaja 53,5). Und als ob dieses Zitat, das Motto des Filmes werden wollte, zog es sich wohl im zweideutigen Sinne durch den gesamten Film hindurch, der komplett in Aramäisch und pseudo italienisch-latein (ein Ohrengraus für den genau hinhörenden Lateinkenner) gesprochen und nur mit deutschen Untertiteln unterlegt wird.
Zweideutig deshalb, weil zum einen wohl geschätzte 60% – 70% aller Dialoge biblisch Zitate sind oder zumindest in der Bibel so erwähnt werden. Und zum anderen weil das erwähnte Zitat „Durch seine Wunden sind wir geheilt“ – beschränkt auf das Wort „Wunden“ – den Film zum Programm macht.

Nach dem Jesaja-Zitat finden wir uns im Palmengarten nach dem Abendmahl wieder. Zeitgleich verrät Judas Jesus an die Hohenpriester.
Danach ist die Bibel das Drehbuch: Es folgen die Verhaftung, die Anhörung und die Verurteilung durch den Hohen Rat, der Selbstmord von Judas. „Es hat begonnen“ wird Maria Magdalena zitiert.

Das für mich eindruckvollste und deshalb wohl auch so erschütternste an diesem Film ist, dass Mel Gibson auf jede Art Nebenhandlung verzichtet und versucht hat, das geschrieben Wort in seiner einfachen und doch sehr grausamen Art umzusetzen. Ich hatte nicht den Eindruck ein Betrachter eines Filmes zu sein, dem fast 2000 Jahre später in Spandau das Geschehen geschildert wird, sondern vielmehr eine Zeitreise ca. in das Jahr 35 n.Chr. gemacht zu haben und nun live und in Farbe die Ereignisse mitzuerleben.

Auch jetzt – fast einen Tag danach – fällt es mir schwer die Eindrücke zu verarbeiten und mir eine klare Meinung zu bilden. Doch eines steht für mich fest: Die Altersfreigabe von 16 Jahren ist falsch! Ich fordere eine Altersfreigabe ab 18 Jahren!

Die Brutalität des Films begann mit dem Auspeitschen. Leider wurde während des Auspeitschens darauf verzichtet, die lateinischen Gespräche der römischen Soldaten mit deutschen Untertiteln zu versehen, denn so konnten wohl nur die wenigsten Besucher des Filmes mitbekommen, dass Jesus laut dem Film 27 Greten- und 89 Peitschenhiebe bekam, denn die Kamera schwenkte – Gott sei Dank – immer mal wieder auf die Hohenpriester und auf Maria, die von Claudia der Ehefrau von Pontius Pilatus weiße Leinentücher überreicht bekam, damit diese dann nach der Geißelung das Blut aufwischen konnte…

Generell hat mich die Darstellung von Pontius Pilatus sehr überrascht. Er wurde als Mann dargestellt, der von seiner Frau zu Anfangs innigst gebeten wurde, Jesus nicht zu verurteilen, und dies auch nach einem Gespräch mit Jesus selbst noch einmal für sich beschloss und der alles daran tat, die Hinrichtung zu verhindern. Der Gefangenaustausch mit Barrabas wurde als sein letzter Ausweg dargestellt, denn die Figur des Barabbas zeichnete Mel Gibson als ekligen, unsympathischen „Massenmörder“.
Jeder Betrachter des Films musste den Eindruck gewinnen, dass nicht Pontius Pilatus, der dann seine Hände symbolisch in Unschuld wäscht, Schuld am Tode Christi war, da er es auch mit den Worten „Tut was sie fordern“ vermied den Hinrichtungsbefehl zu geben, sondern die Juden!

Nach der blutrünstigen Geißelung beginnt dann der Weg zur Kreuzigung. Der Akt der Kreuzigung selbst ist ein weiterer furchtbarer Teil des Films, den ich hier nicht wiedergeben möchte.

Während des gesamten Filmes werden immer mal wieder Blenden in das Leben Jesu Christi eingefügt, wie zum Beispiel die Bergpredigt, das letzte Abendmahl, die Geschichte um die Ehebrecherin, aber alle Szenen werden nur angedeutet und passieren so plötzlich, dass man keine Zeit hat sich vom „aktuellen Geschehen“ während der Geißelung, des Kreuzweges oder der Kreuzigung zu erholen.

Der Film endet dann urplötzlich mit der angedeuteten Auferstehung Christi. Vollkommen mit sich allein gelassen findet der Kinobesucher sich dann in Spandau wieder. Benommen und verstört. Drei Reihen vor mir wird die dritte Packung Taschentücher ausgepackt, das junge Pärchen neben mir sitzt noch immer mit roten Augen wie versteinert da und auch ich trockne meine Tränen. Aufstehen kann ich noch nicht. Dazu bin ich noch nicht fähig.
Der Abend war gelaufen. So habe ich mich selbst noch nie erlebt. Ich habe wohl kaum ein Wort gesprochen und verließ das Kino wie in Trance.
Vor dem Kino standen mehrere Jugendliche, die dann das „Buch zum Film“ verteilten, doch ich war noch viel zu sehr mit mir und dem Film beschäftigt, als dass ich das so richtig realisiert hätte. Ich habe die Jugendliche in die Kategorie „Scientology“ abgestempelt und ein Jugendlicher hinter mir entgegnete den Buchverteilern: „Das Buch zum Film heißt BIBEL“!

Zu einem Fazit des Films kann ich mich nicht hinreißen, doch ich halte es fast so wie die EKD! Ich empfehle euch weder den Film zu besuchen noch fordere ich euch auf ihn zu boykottieren! Denn wie soll selbst Papst Johannes Paul II. gesagt haben: „Es ist, wie es war“! Dennoch bin ich der Meinung, dass die gewalttätige und dermaßen brutale Darstellung alles bisher Dagewesen übertrifft. Einerseits kann es tatsächlich wirklich so gewesen sein, andererseits: Muss man das wirklich im Kino darstellen?

Thorsten Schatz am 21.03.2004


Reaktionen auf den Artikel:

Pfarrer Cord Hasselblatt am 22.04.2004:
Alle Achtung, lieber Thorsten Schatz, dass Sie sich den Film „reingezogen“ haben und dann so genau ihn referiert haben und das so offen getan haben. Auch ich meinte, ihn mir ansehen zu müssen und auch mir ging es ziemlich mies nach dem Film. Das grösste Problem scheint mir Folgendes zu sein. Wenn die Passion etwas Göttliches darstellt, dann ist dieser Film ein Verstoss gegen das Bilderverbot. Dieser Gedanke kam mir schon während des Sehens. Gibson ist meiner Meinung nach der Versuchung, oder um es ironisch auszudrücken der Passion des frommen Filmemachers erlegen. Ob auch für diese Sünde Christus gelitten hat, wage ich zu bezweifeln, denn das ist vielleicht doch die Sünde wider den Heiligen Geist, die nicht vergeben wird.
Nach diesem theologischen Spontan-Exkurs wieder zum Film. Ich finde ihn problematisch und das wirklich wichtige über die Passion erfährt man viel präziser im Neuen Testament. Niemand muss diesen Film sehen. Und zum Thema Gewalt: Wenn der Film demonstrieren möchte, dass Jesus alle Formen der Gewalt unseretwegen erlitt, dann muss man sagen, dass er ja trotz allem nur sehr begrenzter Gewalt unterzogen war. Innerhalb von 12 Stunden war er tot und litt nicht unter jahrelanger Einzelhaft oder so etwas wie psychologischer Folter durch Misshandlung naher Angehöriger oder dergleichen. Also selbst die krassen Gewaltdarstellungen können nicht demonstrieren, dass Jesus am meisten von allen litt. Das wörtliche Verständnis von Jesaja 53,5 wird durch den Film selbst ad absurdum geführt, denn wie soll innerhalb von 12 Stunden das gesammelte Schuldkonta von Milliarden Menschen geschultert worden sein? Wie gesagt: Der Medienmensch Gibson ging sich selbst ins Garn und verdient Millionen (u.a. für sein nächstes Projekt über die Makkabäer)

Ich rede unerhörte und verblüffende Dinge

…sagte schon Martin Luther. So lautete nämlich auch der Titel meines kirchengeschichtlichen Essays, welches ich heute wiederbekam und dem ich meinen heutigen Beitrag widmen möchte, denn ich befinde mich auch dank der Uni und auch dieses Essays gerade in zwei Krisen. Doch der Reihe nach, denn ich wollte eigentlich beginnen mit:

Kennt ihr die Tage, an denen man vom Wecker unsanft aus schönen Träumen gerissen wird? Tage, an denen es draußen auch noch stürmt und regnet? Tage, an denen man sich am liebsten genüßlich umdrehen und den Traum an der Stelle fortsetzen möchte, an der man soeben unsanft fortgerissen wurde?! Tage, an denen man überlegt, ob die Lateinübung um 8.30h wirklich Sinn macht oder ob ich dort nicht eh dösen würde…
So begann mein Tag heute. Ich bin dem Schweinehund folgend tatsächlich aufgestanden und fand mich dann ebenfalls pünktlich zu besagter Lateinübung ein. Die Übung ist an mein kirchengeschichtliche Proseminar „Luther und das Abendmahl“ angegliedert, aber ist an sich hier auch nicht wichtig, denn ich möchte zum Schluss der Übung springen, wo ich mein Essay zum Thema „Ich rede unerhörte und verblüffende Dinge“ wiederbekam.

Die Aufgabe bestand darin, innerhalb von drei bis fünf Seiten diese Aussage Luthers über seine Abendmahlslehre aus der Reformationsschrift „De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium“ unter der Berücksichtung der historischen Voraussetzungen zu interpretieren. Ja…
Ein überaus spannendes Thema und an sich sind fünf Seiten eigentlich nicht genug, um wirklich in aller Ausführlichkeit eine so umfangreiche lateinische Schrift zu analysieren. Nun ich hab es in vier Seiten „geschafft“. =)
Ergebnis war eine „3“, da im Verhältnis zur Darstellung das eigene Urteil zu viel Raum einnimmt. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Naja, ich kann damit leben.

Das Luther-Zitat passt jedoch zu meinen Überlegungen, die ich während und auf Grund der nun folgenden Vorlesung „Kirchengeschichte I: Alte Kirche“ anstellte. Thema heute war der Arianische Streit von 318 bis 325, welcher mit der Synode von Nizäa endete.

Habt ihr Euch schon mal gefragt, was in unserem Glaubensbekenntnis „eingeborenen“ bei „ich glaube an Jeus Christus, seinen eingeboren Sohn“ usw. bedeutet?! Nun, ich offengestanden bisher nicht so recht.
Der Streit ging genau um diese Formulierung, besser gesagt, ist diese Formulierung das Ergebnis der Streitbeilegung. Es ging nämlich darum, dass ein gewisser Arius lehrte, dass Jesus erst Sohn wurde, als Gott ihm diese Gnade erwies. Er berief sich dabei auf u.a. Psalm 2, 7. Da ich ja nun selber derzeit ein recht … angespanntes Verhältnis zu Jesus Christus habe, da sich die meisten Erkenntnisse aus den Kirchengeschichts- und auch NT-Vorlesungen nicht so ganz von der Hand weisen lassen, fielen diese Lehren von Arius bei mir auf „fruchtbaren“ Boden.

Das ganze ist im großen und ganzen ein hochphilosophisches Problem, was sich auch hier sehr schlecht ausbreiten lässt. Gott, der Vater. Mit dieser Formulierung hatte ich bisher überhaupt keine Probleme. Doch Arius sagt nun, dass Gott erst Vater wurde, als Christus gezeugt = geschaffen wurde.
Da gibt es nämlich einen Streit. In der griechischen Ausgabe des Psalm 2, 7 steht das Wort „gennätos“, was mit einem doppelten „nü“ von „genaoh“ (=gebähren) käme. Was wenn es sich aber hier um einen Übertragungsfehler handelt und man „genätos“ nur mit einem „nü“ schreiben würde? Dann würde dieses Wort nämlich eine Form des Verbs „gignesthai“ sein und „werden“ bedeuten… ja ja und schwubst haben wir eine ganz andere Bedeutung.

Für mich ist Gott Vater seit der Schöpfung. Er schuf ja schließlich Himmel und Erde und den Rest (Buch Genesis). Es ist für mich jedoch derzeit schwer vorstellbar, dass Jesus als Sohn die gleiche Wesensbeschaffenheit hat und auch seit dem Anfang aller Zeiten (und damit noch vor der eigentlichen Schöpfung) bestand und erst Mensch wurde. „Eingeboren“ bestätigt nun genau den Lehrsatz der Kirche, dass Christus schon Sohn war und somit auch „Logos“ – wie man sagt – bevor er durch Gott geboren wurde und für uns starb.

Arius verweist auch auf das Nichtwissen von Christus bei dessen Tod (Mt 13,32). Als gottgleiches Wesen hätte er darum wissen müssen…
Nun soviel vielleicht mal kurz aus meinem aktuellen Gedankengang.

In der anschließenden NT-Vorlesung wurden diese Gedanken dann weiter geschürt… naja.

Ich fahre jetzt ins Amt für kirchliche Dienste und beginne meinen Gremienabend. Um 17.30 Uhr steht nen Redaktionstreffen für das erste Jahrbuch der EJBO und im Anschluss dann um 18.30 Uhr eine Jugendratssitzung an.

Ich wünsche Euch nen schönen Abend. Gott befohlen.
Euer Thorsten