Archiv der Kategorie: Kirche

Die Weihnachtsgeschichte 2.0

Wie wäre wohl die biblische Weihnachtsgeschichte im Jahr 2010 abgelaufen?

Habt ihr Euch das schon mal gefragt? Wieviele Facebook-Freunde hätte wohl das Ehepaar Joseph und Maria VOR und NACH der Geburt?

Eine Antwort darauf versucht folgender Film zu geben. Viel Spaß!

Einen schönen 4. Advent!

Kopfkino.

Da laufe ich. Dick eingepackt. Der schwarze Schal spendet wohltuende Wärme. Der dicke Pulli unter der Jacke ein wohltuendes Gefühl. Es regnet. Der Wind drückt mich hin und her, als ob er nicht wissen würde, ob er es gutheißen solle, dass dieses Michelinmännchen gen Wald pilgert.

Die Jacke lässt die Tropfeh abperlen. Schon bald würde sich die Nässe auch in den Pulli einziehen. Ich weiß das, doch es ist mir egal. Ich bin nicht hier. Ich verlasse die Hülle des Michelinmännchens und schwebe über es hinweg voraus in den Wald. Den Weg kenn ich im Schlaf. Der Geruch des laubbedeckten, modrig-nassen Waldbodens steigt mir in die Nase. In meinen Ohren dudeln sanfte Klaviermusik, die von Streichern unterlegt wird. Melancholisch schön.

Meine Füße tragen mich vorbei an den Wildschweinen, die sich unbeeindruckt vom Wetter vergnügt austoben. Die nächste Generation der Frischlinge, die wir letztes Jahr noch gemeinsam bestaunten, suchen Schutz unter dem Bau der Mutter. Geborgenheit. Das Rotwild auf der anderen Seite hat sich tief in den WAld hinverzogen. Schließlich jagt man bei dem Wetter eigentlich keinen Hund vor die Tür.

Ich bleibe stehen, beobachte die Szenerie. Ein hartgesottenes Joggerpäarchen zieht an mir vorbei. Ein älteres Ehepaar steht mit dem Enkelkind am Wildschweingehege. Die Schirme schützen sie vor dem Regen. Ich atme tief ein. Kalte Herbstluft durchströmt meine Lungen. Das tut gut. Der Atemzug gibt mir Ruhe und Kraft. Ich ziehe noch ein paar Mal die Luft genüßlich ein, ehe ich mich erneut in Bewegung setze. Warum ich hier bin weiß ich auch nicht genau. In meinem Kopf ziehen Bilder und Gedanken vergangener Tage vorbei. Jetzt weiß ich’s wieder. Ich bin auf der Suche nach Antworten. Antworten auf Fragen, die ich mir schon hätte lang stellen sollen. Ich betrachte das Michelinmännchen, dass nun an der Waldlichtung angekommen ist. Welchen Weg wird es wohl nehmen? Es hält inne und schaut mich fragend an. Doch eine Antwort kann ich ihm nicht geben. Mir kommt das Gedicht „Spuren im Sand“ in den Sinn. Welchen Weg auch immer das Männchen nimmt, Gott ist bei ihm und nimmt es an die Hand. Und da ist er wieder, der Lichtstrahl, der sich durch die grauen Wolken und die kahlen Baumkronen seinen Weg sucht. Zuversicht. Hoffnung. Darauf will ich vertrauen. Ich werde wieder eins mit dem Michelinmännchen und setze meinen Weg fort. Ob ich getragen werde oder nicht weiß ich nicht genau, doch tief in meinem inneren spüre ich den Drang geradeaus zu gehen, nicht abzubiegen und nicht zurückzuschauen. Geradeaus, dorthin wo mich meine Füße tragen.

Lenamania in Deutschland

Wahnsinn! Lena Meyer-Landrut hat tatsächlich den Eurovision Song Contest gewonnen! Krasse Sache. Ich gratuliere ihr und Stefan Raab ganz herzlich!

Noch vor einer Woche fand ich Lena nervig (jetzt zum Teil auch noch) und war fest davon überzugt, Europa würde „uns“ mal wieder mit einem Mittelfeldplatz bestrafen, aber die tolle Vorberichterstattung von TV Total hat mich dann in den Bann gezogen. Und so saß ich gestern Abend auf der Couch und tat das, was gut 14,69 Millionen andere Menschen in Deutschland auch getan haben: Lena die Daumen drücken!!!

Seitdem überschlagen sich die Emotionen. Hannover nennt sich auf www.hannover.de in „Lena-City“ um und die Tagesschau sendet einmal pro Stunde eine Kurzausgabe und zeigt jeden Schritt von Lena auf deutschem Boden. Nur auf die Bildschlagzeile „Wir sind Lena“ haben wir vergeblich gewartet.

Hinweisen möchte ich noch auf einen tolle Zusammenstellung über das „Taize-Kreuz“ von Lena: http://hansruedi-vetsch.blogspot.com/2010/05/lena-meyer-landrut-eurovision-song.html

Ich spreche mich übrigens jetzt hier dafür aus, dass die Endrunde 2011 in BERLIN stattfindet und nicht in Hannover oder Hamburg! Wir sind die Hauptstadt! 😉

Lustig find ich die Idee von Stefan Raab, dass Lena nächstes Jahr ihren Titel verteidigen soll. So spart man sich auch ne lästige Casting-Show.

Zum Nachlesen. So verlief meine Eurovisionsnacht (http://twitter.com/Thorsten_Schatz):

  • Warum spielt denn bitte die Nationalmannschaft heute gegen #Lena #DFB #ESC #
  • Will die #ARD die Zuschauer vor dem #ESC einschläfern? Man sind die Songs langweilig. Einziger Lichtblick Hape Kerkeling! #
  • Cool, das „Wort zum Sonntag“ heute mal anders: „Das Wort zum #ESC quot;! Sehr cool! #ard #kirche #
  • Sicherheitsproblem beim #ESC Unbefugter Fan schafft es beim spanischen Lied auf die Bühne und tanzt dort mit. #
  • Hab ich auch gedacht… 🙂 RT @Rockbaer: Hat der walisische Zyprit da etwa Panzertape auf seiner Gitarre? Spinnt der? #ESC #
  • Aso: die Nationalmannschaft hat auf 3:0 erhöht. Super. Irgendwie ist das heute Zweit-Rangig. Ob das am Sender liegt? #ZDF #dfb #
  • Apokalyptischer Auftritt der #Ukraine in blutrotem Licht: „Das Ende ist nah!“ #esc #
  • Das war ein richtig guter Auftritt von #Lena Hat die Aufregung gut unter Kontrolle gehabt. Die Halle hat getobt. Super. #esc #
  • Ach, ToNo. 🙂 viele Grüße in den Zoopalast. RT @ToWoNo: Gänsehaut bei #Lena Einfach das beste Lied bisher… Ganz objektiv 😉 #ESC #
  • Nanu, unsere 12 Punkte gehen nicht an die Türkei!? Was ist denn da passiert? #esc #
  • #Lena auf Gold-Kurs. Unfassbar! Die ersten 12 Punkte kommen aus Finnland. Jetzt 25 Punkte Vorsprung!!! #esc #
  • „Aus allen Ecken Europas kommen die Stimmen!“ – und der Vorsprung wächst und wächst. #esc #lena #
  • Stimmt absolut!!! RT @JuliaKloeckner: Song contest: Ein Totalausfall ist die Moderatorin, die die Punkte entgegen nimmt – anybody home? #
  • #Lena hat es geschafft! Unfassbar, ich habe es nicht für möglich gehalten! Was für eine unglaubliche Geschichte! #esc #
  • Wir sind Lena! #esc (via @JuliaKloeckner) #
  • #Spandau feiert #Lena mit Raketen und spontanem Autokorso. Das gab’s so das letzte Mal bei der #WM2006 #esc #berlin #
  • RT @ProSieben: Unglaublich. #Lena zwingt #Klitschko in die Knie. 61,6 zu 16.2 Prozent Marktanteil. Glückwunsch an #DasErste #
  • RT @MEEDIA: 14,69 Mio. sahen den „Eurovision Song Contest“ im Ersten – höchste Zuschauerzahl seit 30 Jahren! http://bit.ly/ad3XXO #esc #lena #
  • Wow. #Hannover benennt sich auf der offiziellen Website kurzerhand um: http://www.hannover.de (via @DWDL) #esc #lena #
  • Lenamania in #Hannover da wird selbst Elton zum Fan und dreht mit dem Handy nen Video von der Bühne. #lena #esc #
  • Sorry @ProSieben, aber Steven und das Taff-Team sind bei der #Lenamania vollkommen deplatziert. #Partykiller #lena #esc #
  • Guter Kommentar von @BMOnline zum Eurovision Song Contest: Warum #Lena alle verzaubert http://bit.ly/b8KhFm #esc #

Und in voller Länge der Siegersong von 2010:

Kirchentagsphänomen „Pfadfinder“

Sie sind vor den Treppen, in den Hallen, hinter Türen, in Ständen, auf Fahrrädern, in Autos und unter Tischen. Sie sind grau, sandfarben, grün, blau, tragen Halstücher, bunte Aufnäher und es scheint als wären sie allgegenwärtig. Völlig klar: Ich befinde mich auf der Suche nach dem Phänomen „Pfadfinder“.

Wer oder was ist das eigentlich?

Wikipedia sagt: Ein Pfadfinder ist ein Angehöriger der Pfadfinderbewegung,
einer internationalen, religiös und politisch unabhängigen Erziehungsbewegung für Kinder und Jugendliche. Aha, soweit so klar. Eine spontane Umfrage ergab: Pfadfinder sind Menschen, die Spuren lesen, Knoten machen, im Wald übernachten und Regenwürmer essen.

Also völlige „Naturburschen“. O. K., ich gebe es zu, ich habe absichtlich keine Pfadfinder gefragt. Die Pfadis selber sehen sich als eine naturverbundene Gemeinschaft, die sich vor allem durch die Fähigkeit zur Improvisation auszeichnet.

Damit hätten wir auch geklärt, warum es so scheint, als hätten sie den Kirchentag übernommen: Das Gemeinschaftsgefühl lockt sie aus dem Wald. Ihre Grundsätze finden hier die völlige Erfüllung: Improvisation ist an der Tagesordnung, Abenteuer gibt es zur Genüge und man darf auf dem Boden
schlafen. Mit Freude sah ich beim Essen zwar keinen Nachtisch, aber einen improvisierenden Helfer. Das ÖKT-Infoheft eignet sich auch hervorragend als Kehrblech. Diese Tugend ist also kein Gerücht. In diesem Sinne: Allzeit bereit.

Bemerkung von Thorsten:

Wie so oft vergisst die Helferpostille auch an dieser Stelle, dass es neben den Pfadfindern auch eine immer größere werdene Gruppe von katholischen und evangelischen (Gemeinde-)Jugendgruppen gibt… 😉 Es sind halt nicht alle Pfadfinder…

Quelle:
Dies ist ein Beitrag aus der Helferpostille des 2. Ökumenischen Kirchentages. Er ist erschienen unter der Rubrik „Zug’spitzt“.
www.helfen2010.de

Ein Löffel Hoffnung

Halle C: Der Duft von Reis und Gyros streicht um die Nase, Essensmarke raus und auf zum Besteck. Messer, Gabel und – Moment mal: Löffel? Ist es wahr? Es gab eine Ahnung, ein Gerücht, fast schon eine Hoffnung auf die vollständige Erfüllung kulinarischer Gelüste.

Für dieses i-Tüpfelchen, dieses Sahnehäubchen nähme man die Anreise zum Essen gerne in Kauf. Mein Blick wandert die Essensausgabe entlang. Hier herrscht eine eindeutige Klassengesellschaft. Die Krönung des Essenschaffens erkennt man an der höchsten Kopfbedeckung. Vielleicht kennzeichnen die Hüte aber auch die Gruppenzugehörigkeit.

Hüte à la Chefkoch für Mitglieder eines Münchner Gourmetempels, Kleidung à la Metzger für die Helfenden. Doch zurück zur aufkeimenden Löffelhoffnung: Mit vollständigem Besteck laufe ich die Essensausgabe ab. Reis, Gyros mit Zaziki und Salat, dann das Ganze wieder von vorn. Kein Nachtisch. Dann halt nicht, wer braucht den schon. Wer möchte schon Herrencreme, Vanillepudding, Eis, Schokolade, Quark oder Joghurt. Ist auch besser für die Figur, wenn es keinen gibt. Ich bin mir ganz sicher, dass der unbenutzt neben mir liegende Löffel mich bösartig angrinst, während ich meinen Reis esse. Mit etwas mehr Elan als nötig befördere ich das noch saubere Essgerät bei der Geschirrrückgabe in seine Kiste. Während er klirrend auf den anderen Löffeln landet, fällt mein Blick auf ein ÖKT-Plakat: „Damit ihr Hoffnung habt.“ So hab ich das Motto noch nie gesehen.

Quelle:
Dies ist ein Beitrag aus der Helferpostille des 2. Ökumenischen Kirchentages. Er ist erschienen unter der Rubrik „Zug’spitzt“.
www.helfen2010.de

Wörterbuch: Ökumene – Deutsch

Nur noch zwei Tage bis zum 2. Ökumenischen Kirchentag in München. Zur Vorbereitung und zum besseren gegenseitigen Verständnis könnte ein Wörterbuch: Ökumene – Deutsch helfen, das die Redaktion von Chrismon herausgegeben hat, denn „Man muss schon genau hinhören, was wahre Ökumeniker wirklich meinen, wenn sie etwas sagen.“

Hier geht’s zum Wörterbuch (Vorsicht: Satire!)

Ökumenische Hoffnung München

In weniger als 72 Stunden beginnt der 2. Ökumenische Kirchentag in München. Ein Ereignis der Superlative, auf das in diesen Tagen nicht nur die Christen Deutschlands schauen werden, sondern wohl die (der) ganze(n) Welt.

Mehr als 100.000 Dauerteilnehmer werden nach München kommen, um ein Fest der Hoffnung zu feiern. Hoffnung auf die Einheit, Hoffnung, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und frei und unbeschwert gemeinsam am Tisch des Herrn zu sitzen. Einfach (wieder) Kirche sein.

Als 2003 in Berlin der 1. Ökumenische Kirchentag eröffnet wurde, da war man sich noch fremd. Man wusste zwar voneinander und hier und da gab es schon zarte Pflänzchen der Ökumene, doch den Drang nach der Einheit und das Wissen um die Notwendigkeit der Zusammenarbeit war noch nicht spürbar. In diesen Tagen wurde das Motto „Miteinander voneinander lernen“ geboren. Ein Motto, das sich durchgesetzt und eingebürgert hat.

Seit dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin hat sich viel getan. Sieben Jahre sind ins Land gezogen und auch in der Basis ist nun Ökumene nachhaltig angekommen. Neben Ökumenischen Stammtischen, Ökumenischen Festtagsgottesdiensten und Ökumenischen Jugendkreuzwegen gibt es nun auch weit verbreitet „offizielle“ Treffen von Gemeinde- und Synodenvertretern beider Seiten, um das Verständnis füreinander zu schärfen und Gemeinsamkeiten auszuloten.

„Damit ihr Hoffnung habt“ lautet das Motto des 2. Ökumenischen Kirchentages. Eine Losung, die Mut macht, die träumen lässt. Was wäre wenn…?

Ich bin gespannt auf die Tage.

Auch wenn es auf den ersten Blick komisch anmuten lässt, zeigt sich am Ökumenischen Kirchentag München, dass man nicht mehr nebeneinander lebt und nicht dem einen seine Gewohnheiten überstülpt, sondern gleichberechtigt eine neue, gemeinsame Kirchentagskultur findet. So wurden für sehr viele Organisationselemente neue Namen gefunden. Ein guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auf dem Weg bleiben. Hoffnung auf mehr haben.

Und so werden wir sehen, welche Hoffnung sich erfüllt und an welcher wir auch nach dem Ökumenischen Kirchentag weiterarbeiten müssen.

Der 2. Ökumenische Kirchentag im Netz: www.oekt.de

Fotos:
2. Ökumenischer Kirchentag –
www.oekt.de

Wenn Pfarrer Hausverbote in der eigenen Gemeinde erhalten…

Bild der Petrikirche um 1730

Bild der Petrikirche vor 1730

Auf den ersten Blick erscheint diese Überschrift lustig. Auf den zweiten Blick eröffnet sie eine ganze Tragödie, die sich hier in Berlin abspielt – und das in der angeblich ältesten Gemeinde Berlins.

Die Gemeinde ist erst vor einigen Jahren aus drei Gemeinden gebildet worden. In diesem Jahr wurden in den Fusionsverhandlungen getroffene Absprachen gebrochen, was immer mehr zu einer Eskalation der Situation führt. Mittendrin ein guter Freund von mir, der die Streitigkeiten als Mitglied des Gemeindekirchenrates aus erster Hand live mitbekommt und der zu den Mitbegründern der „Die Freunde der Petri-Kirche Berlin“ gehört.

9. Januar 2010

Gottesdienste im St. Petri-Kirchsaal untersagt

Pfarrer i.R. Gerhard Boß (77), 35 Jahre lang Pfarrer in St. Petri-Luisenstadt (von 1962 bis 1997) wurde am Freitagabend gegen 20.45 Uhr von Gregor Hohberg, Pfarrer der fusionierten Gemeinde St.Petri-St.Marien, telefonisch Hausverbot für das Gemeindehaus in der Neuen Grünstraße 19 erteilt.

Nachdem am Sonntag davor (3. Januar) offiziell der letzte Gottesdienst im dortigen St. Petri-Kirchsaal gehalten, aber gleich am Anfang aus Protest gegen die Schließung von etwa 55 Personen verlassen wurde, vereinbarte man, im St. Petri-Kirchsaal alle 14 Tage einen von Ehrenamtlichen verantworteten Gottesdienst zu halten. Pfarrer Boß war bereit, im ersten Gottesdienst dieser Art die Predigt zu übernehmen.

Diese ehrenamtliche Initiative wurde nun kirchenamtlich untersagt.

Pfarrer Hohberg drohte Pfarrer i.R. Boß mit einem Disziplinarverfahren.

Quelle: www.petrikirche-berlin.de
Update (10. Januar 2010):
Heute trafen sich über 50 Gemeindeglieder in einer privaten Wohnung, um dort den Gottesdienst zu feiern, der ihnen im St. Petri-Kirchsaal verweigert wurde. Die dort versammelte Gemeinde ist festen Willens, die weit über 750-jährige Gottesdiensttradition von St. Petri weiter aufrecht zu erhalten.

Landessynode: Markus Dröge wird neuer Bischof der EKBO

Habemus episkopam! In einer gut neun Stunden andauernden Wahlhandlung hat die Landessynode gestern Dr. Markus Dröge zum Nachfolger von Dr. Wolfgang Huber im Bischofsamt der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gewählt.

Es war eine spannende Sache und viele Mitsynodale hatten sich bereits auf den entscheidenden Wahlgang Nummer 5 eingestellt, in dem es nur noch einen Kandidaten gebeben hätte. Doch soweit kam es glücklicherweise nicht.

„Bereits“ im vierten Wahlgang wurde Dr. Markus Dröge dann zum Bischof gewählt. Er erhielt 82 der abgegebenen 122 Stimmen, was auf die Stimme genau die erforderliche 2/-Mehrheit darstellte. Dementsprechend war die Erleichterung sowohl beim Gewählten als auch bei den Wählenden deutlich spürbar.

Der Bischof vertritt die Landeskirche in der Ökumene und in der Öffentlichkeit. Zu seinen Aufgaben zählt, Theologinnen und Theologen zu ordinieren und landeskirchliche Einrichtungen und Werke zu visitieren. Er ist zugleich Vorsitzender der Kirchenleitung.

Der Amtswechsel wird nun am 14. November 2009 in der St.Marienkirche zu Berlin stattfinden.

Dr. Markus Dröge wurde 1954 in Washington D.C. geboren. Nach dem Studium der evangelischen Theologie in Bonn, München und Tübingen, war er von 1986 bis 1994 Pfarrer der Kirchengemeinde Koblenz-Karthause, seit 1994 der Kirchengemeinde Koblenz-Mitte. Von 1994 bis 1999 verfasste er neben dem Pfarramt seine Dissertation und übernahm 2000 anschließend einen Lehrauftrag für Systematische Theologie an der Universität Koblenz-Landau. 2004 wählte ihn die Kreissynode für acht Jahre in das Amt des Superintendenten im Kirchenkreis Koblenz. Von 2002 bis 2004 hat er eine Ausbildung als Systemischer Berater beim Institut für Familientherapie Weinheim absolviert. Markus Dröge ist verheiratet und hat drei Kinder.

Ich habe live von der Synode via http://twitter.com/Thorsten_Schatz berichtet. Für all diejenigen, die nicht ständig hier auf meinem Blog sein konnten hier noch einmal die Berichterstattung zum Nachlesen (bitte von unten nach oben lesen… twitter sortiert das so):

21:38:28
Synodentag 1 nach Abendgebet beendet. Jetzt schnell ab nach Hause. Morgen um 9 Uhr gehts weiter…

21:28:04
Auch die Nachwahl zur Kirchenleitung kam nicht ohne eine Stichwahl aus. Jetzt Debatte zum Rechtsextremismus bei den anstehenden Wahlen!

20:23:25
Braunkohle-Antrag ist in den Ausschuss vertagt worden. Jetzt Nachwahl eines Kirchenleitungsmitgliedes.

19:53:01
Synode nimmt ihre Arbeit nach dem Abendessen wieder auf. Jetzt Beratung über die Braunkohle-Frage.

18:44:31
Auf Markus Dröge entfielen 82 Stimmen, auf Johanna Haberer 36. Die Synode erbrachte stehende Ovationen! Große Erleichterung ist zu spüren.

18:39:28
Markus #Dröge ist neuer Bischof der EKBO!

18:10:14
Nun wird unverzüglich ein 4.Wahlgang vorbereitet. Wieder eine Pattsituation? Im 5.Wahlgang dann nur noch 1 Kandidat.

18:07:37
Bischofswahl erneut gescheitert. Dröge 73, Haberer 44, 5 Enthaltungen.

17:46:23
Auf ein neues: nach einstündiger Unterbrechung nun 3.Wahlgang – 1.Stichwahl

16:40:25
Zur „Ablenkung“ wird jetzt der Kollektenplan 2010 diskutiert. Anschließend muss 1 Stunde Sitzungspause stattfinden,so sagt es die Wahlordnung

16:15:13
Dröge 60, Haberer 43, Sachau 15, 3 Enthaltungen. jetzt Stichwahl zwischen #Dröge und #Haberer.

16:13:04
Erforderliche 2/3-Mehrheit ist nicht erreicht.

16:12:01
Thorsten_Schatz: Das Ergebnis des 2.Wahlganges liegt vor. Die Spannung steigt

15:49:28
Landessynode: 2.Wahlgang läuft.

15:46:57
Aussprache zum Bischofswort wird fortgesetzt. Wahlzettel für den 2.Wahlgang liegen noch nicht vor.Aussprache konzentriert sich auf Pro Reli.

15:39:32
Wahlgang 1: Dröge 55 Stimmen, Haberer 39, Sachau 24, 4 Enthaltungen

15:38:14
Kein bischof gewählt!

15:35:33
Das Ergebnis des 1.Wahlganges liegt vor. Bischof Huber erläutert aber noch sein Bischofswort. Die Spannung ist spürbar!

Landessynode wird fortgesetzt. Wir treten sofort in den 1.Wahlgang ein, der jetzt eröffnet wurde.
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Durfte gerade der Abendschau ein Interview zu meinen Erwartungen an den neuen Bischof geben… Ganz schön aufregend.
about 17 hours ago from mobile web

Die Wahlordnung der Synode sieht nun eine Sitzungspause vor. Es geht um 15 Uhr weiter.

Er will Impulse aufnehmen und daraus Richtungen formen. Er will zu einer einladen Kirche beitragen.

Rüdiger Sachau tritt locker auf. Die Vielfalt der Kirche ist für ihn Reichtum.

Ihre weitere Rede bleibt glanzlos. Ihr Sohn schreibt heute Deutsch-Abi… Sie wünscht ihm viel Erfolg. Ich auch…

Es folgt Johanna Haberer: sie liest ihr Rede sehr stark ab… Ihr ist die öffentlich verantwortete Theologie wichtig.

Dröge: Wir brauchen neue spirituelle Zugänge zum Glauben.

Markus Dröge stellt sich der Synode vor: er will am Kirchenverständnis der Barmer Erklärung festhalten. Protestantismus ist Vielfalt.

Synode dankt Bischof Huber für seine Worte. Es folgt die kurze Vorstellung der Bischofskandidaten.

Die Wahlkampfformeln der SPD und der Linken müssen nun mit Leben gefüllt werden. Die Kirche steht für Gespräche bereit.

Huber: die Pro Reli-Unterstützer sind keine Randgruppe und das Thema kein Randthema.Er dankt den Religionslehrern und den engagierten Eltern

Bischof Huber zu Pro Reli: Ziel wurde verfehlt. unterdrückung von anderen Meinungen in der Kirche hat nicht wie unterstellt stattgefunden.

Wolfgang Huber zu 60 Jahre Grundgesetz: 1989 ist für ihn die größte historische Wende seit 1945.

Es folgt das „Wort des Bischofs“. Bischof Huber gedenkt am Anfang dem kürzlich verstorbenem Altbischof Schönherr.

Die #Landessynode ist beschlussfähig. Von 123 Synodalen sind alle 123 anwesend!!!

1.Wahlgang der Bischofswahl beginnt voraussichtlich gegen 14.45h.

Präses Böer dankt in seiner Ansprache allen Engagierten außer- und innerhalb der Kirche, die sich für Pro Reli stark gemacht haben.

Landessynode beginnt mit hoher Medienpräsens, vielen Ehrengästen und vielen Interessierten auf den Rängen.

Gottesdienst ist beendet. Tolle Predigt, toller Liturg. Bischofskandidatin Haberer kam zu spät zum Gottesdienst…

Landessynode der EKBO eröffnet. Pfarrer Kuhn aus Perleberg leitet den Gottesdienst. Predigt: Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz.

Um 9.00 Uhr geht es dann weiter. Ich berichte weiterhin live: http://twitter.com/Thorsten_Schatz

Pro Reli meldet 135 000 Unterschriften

Da staunte ich nicht schlecht, als ich heute morgen in die Zeitung schaute. 135.000 Unterschriften sollten plötzlich für das Volksbegehren „Pro Reli“ laut eigenen Angaben zusammengekommen sein. Hatte doch Pro Reli erst vor vier Tagen eine Unterschriftenzahl von 100.000 verkündet gehabt. Stören soll es mich nicht, aber aus der Erfahrung warte ich nun aber erst einmal ab, was denn der Landeswahlleiter für eine Zahl verkünden wird. Denn: nach den ersten zwei Monaten hatte Pro Reli von 70.000 Unterschriften gesprochen, wobei der Landeswahlleiter nur von rund 30.300 Unterschriften sprach…

Zur Erinnerung: Bis zum 21. Januar 2009 müssen 170.000 Unterschriften zusammengekommen sein, damit es im Juni 2009 zu einem Volksentscheid kommen kann.

Ein Schwerpunkt der Unterschriftensammlungen wird übrigens (wer hätte es gedacht…)auf den morgigen Christmessen am Heiligen Abend liegen. Pro Reli erhofft sich allein aus den Gottesdiensten rund 40.000 Unterschriften.

Auf große Resonanz scheinen übrigens die Briefe von Kardinal Sterzinski und Bischof Huber an alle Kirchenmitglieder gestoßen zu sein, auf die Pro Reli nun den großen Rücklauf an Unterschriften führt. Auch bei der Berliner SPD stellt sich so langsam eine gewisse Panik ein, was man an den skandalösen Äußerungen der führenden SPD-Politiker wie Herrn Innensenator Körting merken kann. Dieser kritisierte wie einige SPD-Genossen zuvor auch die Kirchen, dass diese ihre Mitglieder anschreiben und um Unterstützung für das Volksbegehren bitten. Hallo? Warum sollten die kirchenleitenden Menschen ihre Mitglieder nicht darüber informieren, dass im Land Berlin Menschen alles daran setzen, die Organisation (die Kirche) auf das Abstellgleis zu schieben? Ich frage mich, was daran falsch sein soll? Hat die SPD etwa Angst, dass rund 1 Million Berlinerinnen und Berliner (so viele Kirchenmitglieder gibt es nämlich in Berlin) mitbekommen, dass es die SPD zusammen mit der LINKEN ist, die die Kirche suksessive aus allem raushalten will?

Ich glaube nicht, dass Herr Körting sich anders verhalten hätte als Bischof Huber, wenn sich Parteien formiert hätten, die es sich zum Ziel gesetzt hätten, die SPD abzuschaffen oder zumindest aus dem politischen Raum zu verdrängen.

In diesem Sinne darf man nur hoffen, dass morgen viele, viele Unterschriften zusammenkommen und die Zahl von 135.000 Unterschriften annähernd die Zahl ist, die der Landeswahlleiter bald bestätigen wird!